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18. April 2004
1300 Jahre Köwerich
Die Ersterwähnung der Moselgemeinde im Liber aureus EpternacensisDittmar Lauer
Die Serie der Dorfjubiläen, die sich auf die Ersterwähnung in einer frühmittelalterlichen Urkunde berufen können, wird auch in diesem Jahr mit einigen hochkarätigen Veranstaltungen fort-gesetzt. Es sind vor allem die Orte, in denen von alters her geistliche Institutionen Besitztümer und Rechte hatten, deren schriftliche Überlieferung nicht bei einer früh- oder hochmittelal-terlichen Katastrophe zugrunde ging .
Ein solcher Ort ist Köwerich an der Mosel, dessen Name erst-mals im Goldenen Buch der Abtei St. Willibrord in Echternach – dem sogenannten Liber aureus Epternacencis – Erwähnung findet. Der Kodex enthält etwa 240 Abschriften von Urkunden aus dem 7. bis 13. Jahrhundert, deren Originale heute größten-teils nicht mehr vorhanden sind . Beim Anrücken der französi-schen Revolutionsheere im Jahre 1794 flüchtete eine Gruppe von neun Echternacher Benediktinermönchen über Maria Laach ins thüringische Erfurt, wo sie im Kloster St. Peter ein vorläufiges Zuhause fanden . In ihrem Gepäck führten sie wertvolle Handschriften aus der Klosterbibliothek mit sich – darunter auch das Goldene Buch.
In St. Peter stießen die Echternacher Mönche – unter ihnen auch der Klosterbibliothekar Konstantin Keiffer – auf den ehe-maligen Benediktiner Jean-Baptiste Maugérard aus dem Klos-ter St. Arnual in Metz, der wegen Eidesverweigerung auf die republikanische Verfassung aus Frankreich ausgewiesen wor-den war und in St. Peter in Erfurt bei dem dortigen Abt Placidus Muth Unterkunft fand . Maugérard wurde bekannt wegen des von ihm schwungvoll – und nicht immer uneigennützig – betrie-benen Handschriftenhandels. Er verfügte über vorzügliche Verbindungen zu deutschen Fürstenhöfen und diente zahlrei-che, aus den durch die französische Revolution bedrohten oder aufgehobenen Klöstern stammende Handschriften, Kodices und Inkunabeln von unschätzbarem Wert an . Während seines Erfurter Aufenthaltes hatte Maugérard engen Kontakt zu Her-zog Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenberg geknüpft und dem kunstsinnigen und bibliophilen Fürsten Handschriften verkauft oder vermittelt . Es dürfte kein Zweifel bestehen, dass der Kon-takt der nach Erfurt geflüchteten Echternacher Benediktiner-mönche zu Herzog Ernst II. über Maugérard geknüpft worden ist. Am 5. September 1801 jedenfalls machten der Exmönch Konstantin Keiffer und die gothaischen Hofbeamten den Han-del perfekt und der Liber aureus Epternacencis ging in den Be-sitz des Herzogs über und wurde dem fürstlichen Bibliotheks-bestand einverleibt.
Gegen Ende des unseligen Zweiten Weltkrieges fiel das wert-volle Goldene Buch den anrückenden Russen in die Hände und wurde als Kriegsbeute nach St. Petersburg verschleppt. Erst im Jahre 1956 ist der Liber aureus der Forschungsbiblio-thek Gotha wieder zurückgegeben worden und befindet sich seitdem – nach einer gründlichen Restaurierung im Jahre 1958 – in der Handschriftenabteilung der Forschungs- und Landes-bibliothek im Schloss Friedenstein in Gotha.
Inhalt und Deutung der Köwerich-Urkunden von 704 und 710 im Liber aureus werden einen wesentlichen Platz in dem ge-planten Heimatbuch haben.
Um das Original ihres Ersterwähnungsbeleges an Ort und Stel-le in Augenschein zu nehmen, hatte sich eine kleine Delegation – bestehend aus Ortsbürgermeister Robert Linden, den Mit-gliedern in Gemeinderat und Festausschuss Agnes Micheln, Inge Lex-Götte und Stefan Lex sowie den beiden Buchautoren Heinz Jostock und Dittmar Lauer – auf den Weg nach Gotha gemacht . Im prachtvollen und mächtigen Schloss Friedenstein wurde sie von der Leiterin der Handschriftenabteilung, Cornelia Hopf, empfangen, die die in einer eigens klimatisierten Glasvit-rine arrangierte wertvolle Handschrift erläuterte .
Aufsatz aus dem Jahrbuch des Kreises Trier-Saarburg 2004