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Das Testament des Diakons Adalgisel Grimo aus dem Jahre 634 Vortraganl. des Kirchenmusikalischen Konzertes in der kah. Pfarrkirche St. Bartholomäus in Kell am Seeaus Anlass des Testamentes des Diakons Adalgisel Grimo vom 30. Dezember des Jahres 634 ©
Dittmar Lauer Es ist wohl
das erste Mal im Trierer Land, dass sich gleich vier Ortsgemeinden ihrer
gemeinsamen Geschichte erinnern, dass sie in mehreren gemeinsam durchgeführten
Veranstaltungen der urkundlichen Ersterwähnung ihres Ortsnamens im Testament
des Diakons Adalgisel Grimo vor 1375 Jahren gedenken. Dass wir
dieses gemeinsame Gedenken in einem Gotteshaus – im Rahmen eines
kirchenmusikalischen Konzertes – begehen dürfen, dafür bedanken wir uns ganz
herzlich bei Ihnen, sehr verehrter Herr Pastor Thomas Linnartz. Danken darf
ich den Kirchenchören Kell am See und Reinsfeld unter Leitung von Elmar Neufing
und dem Posaunenquartett Braunshausen unter der Leitung von Stefan Kollmann für
ihre musikalischen und instrumentalen Darbietungen. Begrüßen
darf ich den Herrn Kreisbeigeordneten Manfred Wischnewski in Vertretung des
Herrn Landrats, die Herren Bürgermeister bzw. Beigeordneten der Verbandsgemeinden
Kell am See, Ruwer, Saarburg und Konz sowie die Herren Ortsbürgermeister von Kell am See,
Schöndorf, Taben-Rodt und Temmels,
die Mitglieder der Ortsgemeinderäte sowie die Vorsitzenden und Mitglieder der
Verwaltungsräte und Pfarrgemeinderäte. Das
Testament des adligen Diakons Adalgisel Grimo – ausgestellt am 30. Dezember 634
in Verdun – gilt als die älteste erhaltene Urkunde des Rheinlandes, die in
einer Abschrift des 10. Jahrhunderts, an deren Echtheit keinerlei Zweifel
bestehen, im Landeshauptarchiv in Koblenz aufbewahrt wird. Adalgisel
Grimo entstammt einer reichbegüterten und einflussreichen austrasischen
Familie. Als Austrasien wird der östliche Teil des Frankenreiches zur Zeit der
Merowinger bezeichnet, war meist ein selbstständiges Königreich mit der
Hauptstadt Metz und umfasste die Region zwischen Rhein, Maas und Mosel mit den
wichtigsten Städten Metz, Reims, Köln und Trier. Das
Grimo-Testament enthält unschätzbare Nachrichten zur Siedlungs-, Verfassungs-,
Wirtschafts- und Sozialgeschichte und besitzt einen hohen Aussagewert für die
Entwicklung des religiösen Lebens, des Pfarrsystems einschließlich des Eigenkirchenwesens,
der Missionsgeschichte und der Bildung neuer religiöser Gemeinschaften. Das macht
den Inhalt der Testamentesurkunde so außerordentlich ergiebig für die
Forschung. Die
Besitzungen des Diakons Adalgisel Grimo liegen weit verstreut zwischen
Maastricht und Verdun, an Saar und Mosel und im Hochwald. Er besitzt Gold und
Silber, Häuser und Gehöfte, dazu ganze Dörfer und Weiler mit den dort lebenden
und arbeitenden unfreien Hörigen, auch mehrere Mühlen einschließlich der sie
betreibenden Müller sowie etliche Weinberge. Umfangreich
sind seine Ländereien, Felder, Wiesen, Weiden und Wälder, Gewässer und
Wasserläufe, er nennt zahlreiche Kuhherden mit Kuhhirten, Schafsherden mit
Schafshirten und Schweineherden mit Schweinehirten sein Eigen. Es spricht
für die tief religiöse Einstellung des Diakons Adalgisel Grimo, dass er diesen
seinen Besitz vorwiegend Kirchen und kirchlichen mildtätigen Einrichtungen –
etwa Armenhäuser und Krankenstationen zur Pflege von Leprakranken – und den von
ihm begründeten religiösen Gemeinschaften in Tholey und Longuyon geschenkt bzw.
vermacht hat. Aus dem
genauen Wortlauf der Testamentsurkunde geht eindeutig hervor, dass Adalgisel
Grimo schon vor Abfassung seines letzten Willens Besitz an die von ihm begründeten
heiligen Stätten übertragen hat. Bezogen auf seinen ausgedehnten und mehr oder
weniger zusammenhängenden Besitzkomplex im Hochwaldraum in und um Kastel, Hermeskeil,
Kell-Niederkell sowie Schöndorf darf man annehmen, dass der bis Ende des Alten
Reiches nachweisbare Besitz der Abtei St. Mauritius Tholey in Kastel,
Hermeskeil und Kell-Niederkell auf eine solche frühere Schenkung zurückgeht.
Was er dann noch in Kell und im benachbarten Schöndorf besaß, vermachte er in
seinem Testament der Kirche St. Peter in Temmels. Die Kirche
St. Peter in Temmels scheint von Adalgisel Grimo selbst als Eigenkirche
begründet worden zu sein. Darauf deutet hin, dass er sie nicht nur mit seinen
Besitzanteilen in Kell und Schöndorf begabt, sondern auch mit einem Drittel
dessen, was ihm an dem Ort Temmels gehört, darunter eine Mühle, eine Schafherde
mit dem Schafhirten und dem, was er der Kirche schon in früherer Zeit geschenkt
hatte. Zwei Drittel von Temmels vermachte er dem von ihm begründeten Kloster
St. Agatha in Longuyon, das Adalgisel Grimo übrigens als Haupterbe eingesetzt
hat. Dort hat der
Diakon eine Armenstiftung eingerichtet und er ermahnt eindringlich den Abt von
Longuyon, bei der Versorgung der Armen mit Nahrung und Kleidung, aber auch mit
persönlicher Zuneigung nicht zu sparen. Die hier und auch in seinen übrigen
Stiftungen zum Ausdruck kommende tiefempfundene Religiosität zeugt von der
Ernsthaftigkeit, mit der Adalgisel Grimo die Aufgaben eines Diakons als Dienst
im Auftrag Gottes bei der Förderung der Predigt, der Mission, aber vor allem
auch der Armenfürsorge wirklich verinnerlicht hat. Auch seinen
Besitzanteil in Taben auf dem linken Saarufer vermacht Adalgisel Grimo einer
karitativen Einrichtung, einer dem Kloster St. Vanne in Verdun angeschlossenen
Krankenstation, einem sogenannten Leprosenhaus, wo die von der Umwelt
verstoßenen Lepra- und Pestkranken aufgenommen und gepflegt werden. Diese kurzen
Angaben – im Wesentlichen die vier im heutigen Kreis Trier-Saarburg liegenden
Ortschaften Kell am See, Schöndorf, Taben-Rodt und Temmels betreffend – lassen
die Bedeutung der Grimonischen Testamentsurkunde für die regionale Geschichtsaufarbeitung
erahnen. Nicht umsonst haben sich in den letzten Jahren mehrere Fachhistoriker
mit der Urkunde beschäftigt und sie auf ihre Ergiebigkeit für das gesellschaftliche,
wirtschaftliche und religiöse Leben abgeklopft und die Ergebnisse publiziert. Daran
anknüpfend werden wir in Kürze eine eigene Publikation aus Anlass der
Ersterwähnung der vier Grimo-Orte vor 1375 Jahre herausbringen mit einem
Faksimile der Urkunde, einer Transkription und einer Übersetzung ins Deutsche,
mit Aufsätzen über die politischen Verhältnisse zur Zeit des Diakons, über
seine Familie und ihre Beziehungen zum austrasischen Adel, über seine und
seiner Familie Besitzungen vor allem auf dem Hochwald, an der Saar und an der
Mosel und einen Abschnitt über die Überlieferungsgeschichte dieser wertvollen
und unschätzbaren Urkunde. Außerdem wird die Publikation einen Regestenteil
enthalten, in dem die urkundlichen Belege aller vier Ortschaften von 634 bis
1500 chronologisch mit kurzer Inhaltsangabe aufgeführt sind und Porträts der
vier Gemeinden mit einer kurzen Darstellung der letzten 50 Jahre, sozusagen
eine Gegenüberstellung oder Begegnung der ältesten mit der neuesten Geschichte. |